Madeline Cash liest aus ihrem Debütroman im Thalia
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Madeline Cash
Verlorene Schäfchen
Normalerweise würde er Bücher mit gelb-lila Cover nicht anfassen, meint der Philosoph und Autor Wolfram Eilenberger im Literarischen Quartett. Solche Spannungsromane seien eigentlich nichts für ihn. Doch dann beginnt auch er, von Madeline Cashs Debütroman „Verlorene Schäfchen“ zu schwärmen. Ijoma Mangold gibt zu, das Buch bis zur letzten Seite gelesen zu haben. Und Thea Dorn gerät regelrecht ins Schwärmen: Die Dialoge „funkeln vor Sprachwitz und Schlagfertigkeit“, die Pointendichte sei enorm, und doch sei der Roman „mehr als ein Anlass, schallend zu lachen“. Es habe eine „tiefere Dimension“, und das eigentliche Thema von „Verlorene Schäfchen“ sei die „transzendentale Obdachlosigkeit“. Das Buch könne als Literatur gelten, „voller Sarkasmus, ohne jemals zynisch zu werden – ein echtes literarisches Wunder“. In der Runde des Literarischen Quartetts ist man sich einig: Auch Sitcom-Humor kann Literatur sein.
Auf den ersten Blick erzählt „Verlorene Schäfchen“ von einer ganz gewöhnlichen amerikanischen Vorstadtfamilie. Mutter, Vater, drei Töchter, sonntags Kirche. Doch hinter der Fassade herrscht das Chaos: Die Mutter öffnet die Ehe, der Vater schließt sich einer dubiosen Selbsthilfegruppe namens „Verlorene Schäfchen“ an, die Töchter verlieren sich zwischen Verschwörungstheorien, fundamentalistischen Online-Bekanntschaften und einem Freund mit dem Spitznamen „Kriegsverbrecher-Wes“. Und plötzlich laufen alle Fäden bei einem rätselhaften Milliardär zusammen.
Mit hinreißender Lakonie, trockenem Humor und messerscharfem Blick entwirft Madeline Cash ein ebenso skurriles wie berührendes Familienporträt, dessen Figuren an einen Film von Wes Anderson erinnern. Hinter der rasanten Tragikomödie verbirgt sich jedoch ein präziser Blick auf die amerikanische Gegenwart.
Wie das Literarische Quartett treffend formulierte: „Die Frage, was eine Familie zusammenhält, ist hier gleichbedeutend mit der Frage, was Amerika zusammenhält.“
So betrachtet wird aus Madeline Cashs satirischem Familienroman ein Gegenwartsbuch über die amerikanische Mittelklasse und damit auch über unsere Wirklichkeit, über religiöse Restbestände, Körperoptimierung, Kontrollphantasien und digitale Verlorenheit: „eines der famosesten Romandebüts der vergangenen Jahre“ (Thea Dorn).
Die Financial Times US nennt Madeline Cash „eine der talentiertesten Stimmen der New Yorker Literaturszene“, die New York Times beschreibt den Roman als „skurrilen Krimi, kultige Satire und warmherzige Tragikomödie in einem“, und Bret Easton Ellis urteilt schlicht: „Eines der besten Debüts, die ich seit Langem gelesen habe.“
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